Reise Werner Aidn (Sahara)

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sahara01  Hallo liebe A112-Fan-Gemeinde, dass meine Bilder bei Euch so großen Anklang gefunden haben hat mich sehr gefreut. Deshalb sehe ich mich ermutigt, an dieser Stelle mal ein paar Zeilen über meine beiden Sahara-Trips zu Papier zu bringen. Vielleicht erst mal ganz kurz zu mir selbst. 1973 erstand ich meinen ersten A112; er war mein erstes eigenes Auto überhaupt. Seitdem gehörte immer mindestens einer dieser italienischen Zwerge zu meinen Fahrzeugen. Ganz grob kalkuliert dürften es so gut 500.000 km gewesen sein, die ich hinterm Steuer eines A112 verbracht habe. Doch nun wieder zum eigentlichen Thema zurück. Als Anlage könnt Ihr zwei Kurzberichte nachlesen, die seinerzeit in “Fiatfahren” und dem Abenteuermagazin “Tours” erschienen sind. Der Bericht in der Tours wurde allerdings von der Redaktion ziemlich auf ihre Bedürfnisse zurechtfrisiert und so möchte ich deshalb hier noch einige Erläuterungen auch speziell was den A112 betrifft geben. Als die Berichte erschienen, das ist jetzt immerhin fast 20 Jahre her, war der A112 ja ein ganz normales Alltagsauto und noch kein Sammlerfahrzeug. Deshalb wurde das Auto in den Beiträgen auch nicht so sehr in den Vordergrund gerückt (wohl auch um die große Geländewagen-Leserschaft nicht zu sehr zu treffen); es ging mehr um das Erlebnis Sahara im Allgemeinen. In Afrika allerdings war unser Auto, d.h. das von meiner Frau und mir, der Exot schlechthin, denn egal wen man traf, so ein Fahrzeug hatte noch nie jemand gesehen. Aber ich muss schon sagen, auch zu Hause im Vorfeld unserer Unternehmung hatten uns alle für total verrückt erklärt und dem ganzen Unternehmen nicht den Hauch einer Chance gegeben. Aber wir blieben cool und starteten am 12. Januar 1980 Richtung Afrika. Den Tag habe ich deshalb so genau in Erinnerung, denn es war mein 30. Geburtstag, natürlich mit Kuchen auf dem 30 Kerzen wunderbar leuchteten. Und das alles schon sehr früh am Morgen. Das Wüsten-Fahrzeug war ein 72er Abarth, dem aber ein 44-PS-Motor eingepflanzt wurde. Die Federung wurde hinten durch ein zusätzliches Federblatt verstärkt. Vorne hatte ich Reifen der Dimension 185/70 und hinten 165/70 montiert. Die Bodenfreiheit konnte so erhöht werden, aber mit dem Nachteil, dass die Übersetzung länger wurde. Aber alles kann man eben nicht haben. Das Abarth-Lenkrad wurde gegen das größere Holzlenkrad der Normalversion ersetzt, was sich im Geländebetrieb als sehr vorteilhaft erwies. Unter die Ölwanne wurde noch ein massiver Stahlrost als Schutz montiert. Das waren eigentlich auch schon die ganzen Änderungen am Fahrzeug. Eigentlich wollten wir ja mehr oder weniger im Norden Afrikas bleiben und vielleicht ein paar kurze Abstecher in die eigentliche Wüste machen. Doch kaum hatten wir tunesischen Boden betreten, lernten wir ein gleichaltriges Paar aus Deutschland kennen, welches mit ihrem VW-Bus ins Zentrum der Sahara fahren wollte. Sie fanden das mit dem A112 super und animierten uns sich ihnen anzuschließen. Da gab es für mich kein langes überlegen und wir fuhren von nun an zusammen direkt ins Herz der Sahara. Ach ja das muss ich noch erwähnen, die Vorzündung nahm ich wegen der schlechteren Spritqualität um ca. 5 Grad zurück. Damit konnte man eigentlich recht gut leben. Fünf Wochen waren wir unterwegs und total begeistert, zumal unser A112 auch keinerlei Probleme machte. Da alles so gut lief und wir viel Erfahrung sammelten fassten wir noch während dieser Fahrt gemeinsam mit unseren neuen Freunden den Entschluss, es im folgenden Jahr noch einmal zu wagen, aber alles etwas weiter, länger, extremer. Es sollte der große Knüller werden. sahara02  Unser Plan war es, dort weiterzufahren, wo wir im letzten Jahr umgedreht hatten. Im Klartext hieß das, die Strecke bis ins Zentrum der Sahara sollte nur Anreise sein. Dann wollten wir weiter nach Süden in die Republik Niger vordringen. Die Tenere-Wüste am Südrand der Sahara ist praktisch menschenleer, aber landschaftlich äußerst faszinierend. Nur Karawanen durchqueren sie, um das begehrte Salz aus Bilma, einer entlegenen Oase zu holen. Also genau das Richtige für uns! Die Vorbereitungen nahmen das ganze Jahr in Anspruch. Das Fahrzeug bekam einen neuen Anstrich (der Alte hatte im Sandsturm bei unsere ersten Tour arg gelitten). Die Vorderachse wurde mittels selbstgefertigter Alu-Distanzscheiben, welche ich zwischen Federbein und Dom einfügte um zusätzliche ca. 3 cm höher gelegt. Mehr ging leider absolut nicht, denn die gesamte Vorderachsgeometrie hätte dann überhaupt nicht mehr gestimmt und die Aufhängung hätte sich zu sehr zu verspannen begonnen. Die Verdichtung des Motors wurde auf 7,5 gesenkt, um afrikanisches Normalbenzin tanken zu können. Super, auf das wir bei unserer ersten Tour angewiesen waren, war nicht überall erhältlich. Erreicht hatte ich dies durch Ausfräsen der Brennräume im Zylinderkopf und durch die Verwendung einer extra dicken Kopfdichtung, welche bei Fiat erhältlich war. Die Düsenbestückung des Vergasers wurde entsprechend angepasst. Die Leistung sank durch diese Maßnahme auf schätzungsweise unter 40 PS, doch war das aber weiters nicht dramatisch, denn wir wollten ja kein Rennen fahren. Der Spritverbrauch war aber wegen der schlechteren Kraftstoffausnutzung etwas angestiegen. Um die Maschine zuverlässig mit Frischluft zu versorgen, hatten wir, wie wir es von Baustellenfahrzeugen her kennen, einen Zyklonluftfilter auf das Dach montiert. Dieser sollte nach dem Schleuderprinzip die Ansaugluft bereits von den größeren Partikeln vorreinigen, ehe sie in den eigentlichen Luftfilter gelangte. Man musste dann nur noch täglich den Behälter, in dem sich der ausgefilterte Sand ansammelte, leeren. Um Gewicht zu sparen wurde das Wageninnere, ähnlich wie im Rennsport von allem unnützen Ballast wie Verkleidungen, Bodenbelag, Dämmmaterial etc befreit. An Ersatzteilen hatten wir so ziemlich alles dabei was an lebenswichtigen Teilen nur irgendwie kaputt gehen konnte. Das fing mit einem Regler (ich hatte ja noch die Gleichstrom-Lichtmaschine) an und endete mit kompletten Antriebswellen. Dazu kamen noch sieben 20l-Kanister für Treibstoff, fünf 10l-Kanister für Wasser, Öl, Sandbleche aus Aluminium, Sandschaufel, Lebensmittel und und und. Unsere persönliche Ausrüstung nahm dafür ungewöhnlich wenig Platz in Anspruch. Außer Zelt und Zahnbürste war das praktisch nichts. Nein, Spaß beiseite, etwas mehr war es schon, aber wirklich nur etwas. Auch unsere Freunde hatten nicht geschlafen, denn sie präparierten einen VW-Käfer den sie noch hatten, indem sie u.a. ein komplettes Fahrwerk vom Kübelwagen einbauten. Auch sie hatte, durch uns angesteckt, der Bazillus befallen, mit einem leichten PKW den Geländewagen die Schau zu stehlen. Am ersten Januar starteten wir bei extrem winterlichen Witterungsbedingungen gen Süden. Die erste Hürde stellte die Alpenüberquerung bei diesen verschneiten Straßenverhältnissen dar. Doch wir hatten auch das eingeplant. Ein Bekannte von uns begleitete uns mit einem VW-Bus, beladen mit unseren dicken Sandreifen, bis zur Alpensüdseite. Dort montierten wir um und unser Freund fuhr mit unseren Winterreifen beladen wieder zurück. Zugegeben etwas aufwendig, aber anders war es eben nicht möglich. Ja so ausführlich wollte ich eigentlich gar nicht berichten, denn da könnte ich ein ganzes Buch füllen. Kehren wir also zum Wesentlichen zurück. Ausgerüstet und vorbereitet waren wir wirklich optimal. Doch kaum im Hafen von Tunis angekommen, nahm das Unheil seinen Anfang. Alle Fahrzeuge hatten bereits das Schiff verlassen, nur eines nicht, nämlich das unsere. Der Anlasser machte, trotz meiner Anflehungen, keine müde Umdrehung. Die Batterie hatte sich während der Überfahrt offensichtlich restlos entladen. Also wurde ich an Land geschoben. Kann ja mal vorkommen und wird sich sicher wieder geben, dachte ich. Das fing ja schon gut an, doch noch waren wir guter Laune. Die Batterie erholte sich leider nicht wieder so wie erhofft und so wurde das morgendliche Anschleppen für den Rest unserer Tour zur Gewohnheit. Die weitere Fahrt bis Tamanrasset im Herzen der Sahara verlief reibungslos ohne größere Vorkommnisse. Die Formalitäten für die Einreise nach Niger waren bald erledigt und wir verließen frohgelaunt Tamanrasset Richtung Süden. Doch von nun an schlug die Defekthexe richtig zu, und zwar bei beiden Fahrzeugen. Die zusätzliche Blattfeder bekam immer wieder den Drang zur Seite zu wandern und am Federbein zu scheuern, was sich durch fürchterliche Geräusche bemerkbar machte. Komisch nur, dass im Jahr zuvor, diese Erscheinung nicht aufgetreten war. Da half nur aufbocken, Feder entspannen, zurechtrücken, neu spannen, Wagen ablassen und Fahrt fortsetzen. Ein Loch durch alle Federn gebohrt und eine Schraube als Arretierung durchgesteckt hätte vollkommen genügt, doch woher eine Bohrmaschine in der Wüste nehmen?! Je nach Pistenbeschaffenheit stellte sich dieser Effekt früher oder später wieder ein, aber zwei- bis dreimal pro Tag waren es schon. Das war eine lächerliche Kleinigkeit, die uns aber viel zeit kostete. Und weil wir so schon beim Reparieren waren, bekam zu allem Überfluss eine Antriebswellenmanschette einen Riss. Also nichts wie Welle ausbauen und den Schaden beheben. Kein Vergnügen, wenn man so weit das Auge reicht nichts als Sand sieht, aber kein einziges Korn davon den Weg ins Innere finden darf. Aber auch der VW hatte so seine Probleme. Vor allem leidete er zunehmend unter schwindendem Öldruck. War nur das Instrument defekt oder bahnte sich ein Motorschaden an? Wir wussten es nicht. Wir wussten nur, dass wir uns bereits beträchtlich in Zeitverzug befanden, und in einer Krisensitzung irgendwo im Niemandsland zwischen Algerien und Niger beschlossen wir deshalb das Unternehmen abzublasen und den Rückmarsch anzutreten. Wie sich später zeigen sollte, war es die einzig richtige Entscheidung. Zum Anschleppen und Blattfeder-Zurechtrücken gesellte sich bald ein drittes Dauerproblem; der Rückwärtsgang ließ sich nicht mehr einlegen, zumindest nicht immer. Als wir dann wieder den Hafen von Tunis erreicht hatten, waren wir einigermaßen erleichtert, doch auch etwas frustriert, da alles ganz anders gekommen war wie geplant. Aber trotzdem hatten wir auch viele tolle Erlebnisse und Eindrücke mit im Gepäck an Bord genommen. Und wie konnte es anders sein, natürlich wieder am Abschlepphaken des VW. Wenige Tage nach unserer Rückkehr erreichte mich ein Anruf unserer Freunde: Motorschaden am Käfer! Zu einer dritten Auflage “Mit dem A112 durch die Sahara” kam es nicht mehr, denn wir bekamen Nachwuchs und so standen andere Verpflichtungen und Urlaubsziele auf dem Programm. Bemerkungen zum A112 Zum Abschluss noch ein paar Bemerkungen über den A112. Meine Theorie vom leichten Fahrzeug auf möglichst breiten Reifen hatten wir eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Um die Auflagefläche der Reifen noch zu vergrößern wurde der Luftdruck auf sandigen Passagen abseits der Piste auf bis zu 0,5 atü reduziert. So glitt man wie auf einer Wolke über den Sand. Ein feeling, das man sein Leben lang nicht vergisst. Ich bin nach wie vor der Ansicht, bei diesen Verhältnissen, jedem Geländewagen ebenbürtig oder gar überlegen zu sein. Etwas anders verhält es sich im felsigen Gelände. Trotz der extrem kurzen Überhänge, welche die Passage tiefer Querrinnen sehr erleichtern, könnte die Bodenfreiheit, speziell vorne größer sein. Doch das größte Handicap stellte die zu lange Übersetzung dar (auch bedingt durch die großen Reifen). Nur zu oft musste mit viel Gas und schleifender Kupplung gefahren werden, was auf Dauer nicht sehr materialschonend ist. Eine zuschaltbare Geländeuntersetzung oder wenigstens ein kürzerer 1.Gang war eigentlich alles was ich mir noch gewünscht hätte. Das Nonplusultra währe noch der Allradantrieb des Y10 gewesen, den es aber damals ja noch nicht gab. sahara03  Über den Verbleib des Wüsten-A112 kursieren schon Gerüchte die von einem Zurücklassen in Afrika bis zu Sandtod reichen. Tatsache ist, dass das Auto im März 1983 abgemeldet wurde. Das Salz auf deutschen Straßen hat ihm den Garaus gemacht, nicht der Sand der Sahara. Die Innereien dienten als Ersatzteile für meinen zweiten A112 und die Karosserie wurde, mit aus heutiger Sicht vergleichsweise geringen Schäden, verschrottet. Aber damals war der A112 eben noch kein Sammlerfahrzeug. Bis heute haben nur die schwarze Motorhaube und ein Türgriff überlebt. Den Griff bekam kürzlich Torsten Hellwig; der Staub der Sahara klebte noch daran.